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Presse zu "Lioba, Lioba"

Walliser Bote / 02.07.07

Heiter-ernstes Hof-Theater

Was diese bunte Mischung aus Theaterfreaks, Bauernschaft, Kulturbeflissenen und sonst an Neuem Interessierten an diesem Abend zu sehen bekam, war heiter-ernste, derb-feinschlächtige Theaterkost: Wie immer bei gutem Theater ist die Geschichte des Stücks von Werner Wüthrich, inszeniert von Rainer Zur Linde, bald einmal erzählt: Die Bauersfrau und die Tiere eines Hofes wehren sich gegen eine Gant, also eine Versteigerung der Vieh- und Fahrhabe.

Das Publikum hat vor allem die heitereren, die frechen und die boshaft-derben Passagen goutiert. Beat Albrecht, als Gantausrufer mit geschliffen-hinterfotzigem Gommer Dialekt und Lokalmatador ganz im Element, feuerte zeittweise ein eigentliches Feuerwerk von bösen Bemerkungen, träfen Sprüchen und teils schlitzohrigen, teils aber auch bewusst platt-abgegriffenen Witzen ab.

Wie gut trifft es sich, dass sein Gehilfe und Sekretär Linus (Bernd Seebacher) ausgerechnet aus dem nächsten Osten stammt, genauer - aus Österreich. Der wiederholte Rückgriff auf den überreichen Fundus von Witzen über das sympathische Nachbarland und seine Einwohner diente aber auch als Spiegel: Als der Gehilfe des Gantrufers und Alleinunterhalters plötzlich den Spiess umkehrte und eine schöne Pointe in Form eines Schweizer Witzes platzierte, applaudierte das Publikum spontan.

Es lag auf dem Hof der Häfligers am Samstagabend tatsächlich "eine Kuh in der Luft", wie der teuflische Sekretär des Gantausrufers mehrmals und ängstlich vermutete. Aber nicht eine der unheimlichen Art wie für die Gegenspieler der naivlistigen Bäuerin und ihrer Tiere (übrigens ebenso sparsam wie genial dargestellt): In einem Land, das von einer Kultur der Kuh herkommt wie das Wallis, fällt die Kultur mit der Kuh und am Wohnort der Kuh, eben auf dem Bauernhof in diesem Fall, auf fruchtbaren Boden: Der überraschend grosse Publikumsaufmarsch und die Freude der Zuschauerinnen und Zuschauer ist Beweis genug dafür.




MLZ; 07.07.2007; Seite 14 / Rosmarie Mehlin

Da staunten nicht nur die Kühe

Betonboden statt Welt bedeutende Bretter für die Akteure; Strohballen statt Samtsesseln für das Publikum › das «hof-theater.ch» bietet ein ungewöhnliches kulturelles Event.

Die langen Tische in der Scheune vom Würenlinger Biffighof wurden von den zahlreichen hellen Pracht- rindern kaum zur Kenntnis genommen: Seelenruhig mampften sie Heu oder liessen sich wohlig von einer riesigen Bürste den Rücken massieren, während eine ganze Reihe von Zweibeinern sich vor der kulturellen Kost der kulinarischen widmete.

Keine Gastspiel-, sondern eine Stör-Bühne zieht gegenwärtig durch die Lande von Bauernhof zu Bauernhof und machte am Donnerstag als einziges Mal im Aargau Station. In Würenlingen sorgte die Biffighof-Familie Schneider Dion vorgängig mit grillierten Charolais-Spiessen aus eigener Produktion, feinen Salaten, ebensolchen Weinen und nicht minder verführerischen selbst gebackenen Kuchen für das leibliche Wohl.

Witze, Klamauk, Tragik
In einer weiteren geräumigen Scheune hatte sie aus Strohquadern eine Zuschauertribüne aufgestapelt, auf der schliesslich rund 90 Neugierige Platz nahmen. Vor ihnen › mit im Freilaufgehege friedlich flanierenden Rindern im Rücken › wurde mit «lioba, lioba» eine musikalische Gant geboten. Der Berner Werner Wüthrich zeichnet als Autor verantwortlich; unter der Regie von Rainer zur Linde setzen professionelle Musiker und Schauspieler das Ganze um. Die, so der Untertitel «Musikalische Gant über Läuten und Leute › über Glocken und Kühe», ein «Stück» zu nennen, wäre übertrieben. Dazu mangelt es zu sehr sowohl an Dramaturgie, wie auch an Dialogen, die also solche bezeichnet werden könnten. «lioba, lioba» ist eine kleine Show mit Klamauk, Witz und auch einer gewissen Tragik im Hintergrund. Denn just als die alte Bäuerin sich daran macht, die Hochzeit ihres Sohnes mit Coco aus Malaysia (beide als Puppen präsent), knattert eine Moto Guzzi auf den Hof. Der Gantrufer Tellenbach und sein Assistent Linus sind gekommen, um Fahrhabe und Tiere zu verkitschen.

Hochemotional wehrt sich Silvia Jost als Bäuerin in breitem Bärndütsch mit Händen und Füssen dagegen, tatkräftig unterstützt von Schaf, Geiss, Kuh, Gockel und Büsi › alle witzig, zweibeinig umgesetzt. Cool und schnoddrig, Kaugummi kauend und banalste Witze erzählend, geht Beat Albrecht als Gantrufer auf Walliserdiitsch unbeirrt seinen Weg, während der Österreicher Bernd Seebacher als Linus eine ziemlich undurchsichtige Rolle spielt und sowohl vom Typ als auch von der Figur her etwas als Fremdkörper wirkt.

Speziell und unterhaltsam

Die musikalische Untermalung hingegen mit Barbara Jost und dem Aargauer Pius Bessire fügt sich wunderbar ein: Mit Bass, Dudelsack, Klarinette, Glockenspiel und allerlei weiteren, improvisierten Instrumenten wurde die spezielle, vergnügliche und spannende Atmosphäre dort in der Scheune stimmungsvoll verstärkt. Auch wenn der eine oder andere Zuschauer am Ende etwas konsterniert gewesen sein mag: Die 75 Minuten sind im Nu verflogen, waren unterhaltsam und das Erlebnis insgesamt einfach mal etwas ganz anderes. Und das ist nicht wenig in unserer von Telenovelas und kulturellem Einheitsbrei geprägten Welt.




Zürcher Oberländer, 9. Juni 2007 / Renato Bagattini

Am Ende siegt die Gerechtigkeit

Um die Zwangsversteigerung eines Bauernguts geht es im Stück "Lioba!Lioba!" des Vereins Hof-Theater.ch. Am Donnerstag fand die Uraufführung auf dem Hof Guggenbühl in Illnau statt.

Das ist die Horrorvorstellung für jeden und jede: eine Zwangsversteigerung. Das Weggebenmüssen von geliebten Dingen, das Verlassenmüssen seiner Scholle, wenn Haus und Heim unter den Hammer kommen. Besonders hart trifft es da eine alte Bäuerin. Drei Tage vor der Hochzeit ihres Sohnes, der schon vor langer Zeit den Hof übernommen hat, soll nun der Bauernhof zwangsversteigert werden. Soll sie sich, die arme Bäuerin, auch von ihrem Vieh trennen, alles verlieren - doch wenn schon, dann sicher nicht kampflos.

Im Kuhstall der Familie Nanni und Ueli Reichling auf dem Hof Guggenbühl in Illnau findet diese fiktive Gant in Form eines Theaterstücks statt. Eingeladen zu ihrer allerneusten Produktion, die den Titel "Lioba! Lioba!" trägt, hatte der Verein Hof-Theater.ch, der nun schon zum zweiten Mal mit einer Produktion durch die Lande tourt. Dabei gebührt dem Hof Guggenbühl die Ehre, die Uraufführung des von Albert Ullmann initiierten Stücks übernehmen zu können.

Andrang gross
Und der Andrang an der Kasse war enorm. Rund 150 Theaterbegeisterte waren auf Reichlings Hof gekommen. Die meisten verköstigten sich erst einmal ausgiebig, schliesslich ist der Hof Guggenbühl ein Biohof, und Biokost sollte es demnach auch geben.

So löste sich am Vorabend erst einmal die Verspannung des Tages, und als Barbara Jost und Pius Bessire mit Oboe und fürchterlich klingendem Dudelsack in den Stall baten, war die Zeit des Theaters gekommen. Und schon wähnte sich das Publikum als Teil einer schon benahe obszön anmutenden Versteigerung. Mit Pomp und Getöse erschien er nämlich schon bald, der Gantmann Tellenbach (Beat Albrecht) und sein diabolischer Kompagnon Linus (Bernd Seebacher).

Ein solches Hereinplatzen in eine bislang idyllische Bauernwelt schreckte natürlich alle auf: die alte Bäuerin (Silvia Jost) und vor allem all die lieben Tiere, die Kuh Muhi (Ursula Wanner), das Schaf Blööki (Denise Schütz ), die Ziege MeckMeck (Eve Schütz), die Katze Miai (Serena Häner) und den Gockel Kiki (Roland Scherer). Und so kam es, wie es eben kommen musste: Niemand, ausser den zur Salzsäure erstarrten jungen Bauern Hanspeter und Coco, die als Puppen das Gezerre um den Lindenhof mitverfolgen, wollte sich einfach so dem Schicksal fügen.

Doch das Schicksal hatte sich bereits entschieden, und zwar in Form des Assistenten Linus, der immer wieder mahnte, dass heute Abend eine Kuh in der Luft liege. Das allerdings interessierte Tellenbach nicht. Selbstherrlich begann er mit der Versteigerung, scherzte - meist tief unter der Gürtellinie - und motivierte die Theaterbesucher und- -besucherinnen, mitzubieten. Schliesslich, irgendwann nach vielen Tohuwabohus, wird Tellenbach überwältigt, Linus zeigt sich als der Leibhaftige in Person, und der Hof gehörte wieder denjenigen, die ihn schon lange hatten.

Strenger Gegensatz
"Lioba! Lioba!" ist ein zeitkritisches Stück um den Verlust der Heimat. Versetzt mit vielen absurden Elementen, lebt das Stück in erster Linie vom strengen Heute/Gestern-Gegensatz. Heute, so die Quintessenz, wird alles daran gemessen, ob etwas rentiere oder nicht. Gestern, das ist die Ansicht, dass es auch andere Werte als nur den Profit gibt.

Das Ensemble versteht es ausgezeichnet, diesen Gegensatz rüberzubringen. Man glaubt, trotz des karikierten Charakters des Stücks, den Darstellern auf der Bühne. Unter der Regie von Rainer Zur Linde wird der brisante Stoff leicht präsentiert und hat dennoch einen Tiefgang, der nicht kalt lassen kann. Mit rund 70 Minuten Aufführungsdauer hat das Stück eine Länge, mit der Spannung und Dichte bruchlos gehalten werden kann.

War im vergangenen Jahr die erste Theaterproduktion des Hof-Theaters.ch noch von fragmentarischem Ausdruck, so gab es diesmal ein in sich geschlossenes Stück zu erleben: Ein Stück über ein Bauernschicksal, auf einem Bauernhof aufgeführt, das scheint ein Bedürfnis zu sein und weckt Erwartungen an die Zukunft.




BauernZeitung, 15. Juni 2007 / Mario Tosato

Mit der heilen Welt ist es schnell vorbei

Illnau: Bei schönstem Wetter begann der Abend unter freiem Himmel auf dem Hof Guggenbüel der Familie Reichling oberhalb von Illnau ZH bei Hausspezialitäten wie Gitzibraten, Biokäse und interessanten Gesprächen. Die rund 150 Premierenbesucher wurden von den Musikanten Barbara Jost und Pius Bessire auf dem Festplatz abgeholt und in den Milchviehstall geleitet. Dort sassen die Theaterbesucher zum Teil auf Stohballen.

Bäuerin erinnert sich an früher
Mit dem berühmten Freiburger Kühreihen "Lioba" wurde die Vorstellung eröffnet. Dieser Rufgesang zum Eintreiben der Herde, der von den "Hoftieren" zur Ouvertüre gesunden wurde, bildet musikalisch den roten Faden durch das Hof-Theater mit dem Titel "Lioba! Lioba! Hüt Age lyt e Chue i dr Luft". Als Zuschauer wähnte man sich in einer heilen Welt pur, doch das sollte sich sehr schnell ändern. Die 60-Jährige Bäuerin, von Silvia Jost dargestellt, freut sich auf die bevorstehende Bauernhochzeit ihres Sohnes und ihrer zukünftigen Schwiegertochter Coco aus Malaysia. Sie freut sich aber auch an dem kommenden Nachwuchses und stellt schon einmal den Stubenwagen ins rechte Licht. Sie erinnert sich an den bäuerlichen Alltag, das Leben mit Tieren und an die Arbeiten auf dem Hof.

Die Bäuerin spricht von den Generationen auf einem Hof, den Sorgen und Nöten, der Natur und den Jahreszeiten. Sie erzählt von Wünschen und Hoffnungen als Bäuerin und als Mutter, aber auch von Veränderungen der Betriebe im Dorf und den eigenen Veränderungen.

"Im Trubel gehen diese feinen Gedankengänge fast unter, wie in unserer lauten Gesellschaft üblich", meinte eine junge Bäuerin aus dem Zürcher Oberland.

Die idyllische Stimmung wird durch den Gantrufer Tellenbach (Beat Albrecht) und seines Assistenten Linus (Bernd Seebacher), mit ihrem schweren Motorrad jäh gestört. Wortreich erklärt der Gantrufer, von seinem Assistenten unterstützt, den Unterschied einer Gant, einer Not- und einer Zwangsversteigerung.

Brisante Darstellung der Globalisierung
Der Gantrufer weist darauf hin, dass der Bauer hin und her gerechnet habe und immer auf "rote" Zahlen gestossen sei. Die Familie müsse ernährt werden, deshalb sei Kapital wichtig. Zur Not könne ja die dunkelhäutige Schwiegertochter in einer Bar mit verdienen.

Im temporeichen Dialog werden Missverständnisse zwischen den Menschen in der Region, aber auch auf der ganzen Welt dargestellt. Auf brisante Art, mit teilweise sehr deftigen Sprüchen und Gesten, wird dem Zuschauer die Globalisierung vor Augen geführt. Der Bauer und seine zukünftige Frau werden mit zwei lebensgrossen Puppen dargestellt. So wird deutlich gemacht, wie heute viele Menschen "manipuliert" werden. Die Versuche der älteren Bäuerin, noch zu retten, was zu retten ist, um das Überleben des Bauernhofes zu sicher, scheitern.

Ein Teufel, der keine Grenzen kennt
Immer klarer zeichnet sich ab, dass der Assistent mit seinem österreichischen Schmäh "I bin so schön, i bin so toll, i bin der Linus aus..." sich zum "Teufel" entwickelt, der keine Grenzen kennt. Auch Gantrufer Tellenbach entpuppt sich mit seinem Walliserdialekt als äusserst geschäftstüchtig und eigentlicher Selbstdarsteller, dem die Zukunft des Bauern und seiner Coco wenig am Herzen liegt.

Auf dem Höhepunkt des "diabolischen Spektakels" melden sich gar die echten Kühe mit einem kräftigen Muhen zu Wort, "Lioba! Lioba!" bietet kein Happyend, entsprechend waren einige Zuschauerinnen und Zuschauer am Schluss konsterniert.

Friedlicher Ausklang in der Festwirtschaft
Autor Werner Wüthrich und Regisseur Rainer Zur Linde ist es gelungen, das Publikum zum Nachdenken anzuregen. Doch bleibt es fraglich, ob die teilweise scharfsinnigen Dialoge auch verstanden worden sind.

Wie der Abend begonnen hatte, klang er auch aus: Friedlich auf dem Festplatz. Allerdings wurde nun kräftig über das soeben erlebte diskutiert. Gastgeberin Nanni Reichling freute sich über den grossen Aufmarsch, waren doch beide Vorstellungen ausverkauft. Sie freute sich aber auch über das grosse Interesse, das die Konsumentinnen und Konsumenten mit dem Besuch des Hof-Theaters der Landwirtschaft entgegenbrachten.




Brief von Chlaus Widmer, Geschäftsführer von der Vereinigung KünstlerInnen - Theater - VeranstalterInnen, Schweiz, ktv.

Biel, Juni 2007

Ganz herzlichen Dank für die Einladung zum Hof-Theater 2007. Mit der musikalischen Gant über Läuten und Leute, über Glocken und Kühe "Lioba! Lioba! - Hüt Abe lyt e Chue i dr Luft" von Werner Wüthrich, und dann erst noch in einer Inszenierung von Rainer Zur Linde, habt ihrs euch ja nicht grad leicht gemacht. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Publikumsreaktionen ein wenig kontrovers waren...

Ich persönlich hab den Abend sehr genossen: Zum Einen fand ich's enorm spannend, wie ihr dem etwas schrägen, teilweise schon fast skurrilen Inhalt ebenso professionell wie überraschend zu Leibe gerückt seid.

Zum Andern fand ich's beeindruckend passend, Lioba! Lioba! In die Szenerie auf einem Hof einzubetten, wo Kulturschaffende und Kulturgeniessende sich bereits vorher beim Apéro oder beim Znacht treffen, wo sie dann an Strohballen gelehnt oder darauf sitzend das Spektakel geniessen, und wo sie schlussendlich noch lange danach im Tenn oder in der Scheune oder wie immer man das auch nennt, gemütlich zusammensitzen, eins trinken, etwas essen.

Bitte schön: Nach welcher Theatervorführung sind denn noch vielleicht achtzig oder neunzig Prozent des Publikums auch eine Stunde nach dem Schlussapplaus immer noch beisammen auf den gleichen Bänken, um über Gott und die Welt, aber eben auch über das Stück, über Läuten und Leute, über Glocken und Kühe zu palavern?

Ich gratuliere ganz herzlich zur fantastischen Idee, zur beeindruckenden Umsetzung!




Berner Oberland / 26. Juni 2007 /Zeitung im Mikrokosmos Jungfrau / Anne-Marie Günter

Wenn der Alpsegen extrem schief hängt

Schwank mit Tiefgang auf dem Bauernhof bei Wylers in Brienz

Ein feines Essen auf dem Bauernhof und dann so ein Theater! Bei Paul und Helga Wyler in Brienz war am Samstag das Theater auf dem Bauernhof zu Gast. Das Stück "Lioba! Lioba!", ein leicht absurder musikalischer Schwank mit Tiefgang, setzt sich mit ziemlich beissender Ironie mit Vielem auseinander, was den Bauernstand in der globalisierten Welt betrifft.

Das musikalische Leitthema des Theaterstücks "Lioba! Lioba!" ist der "Ranz des Vaches", die Àlplerhymne aus dem Greyerzerland, welche eine helle, heile Welt des Bauernstandes besingt. Der geht es aber im Stück doch ziemlich an den Kragen. Zwar glaubt die Mutter des Lindenhofbauers, dass eine echte Bauernhochzeit ins Haus steht, weil der Sohn - endlich - eine Frau gefunden hat; Coco, die im Stück auch mal zur Gogo gerät, und die aus Malaysia oder den Philippinen kommt. Ins Haus steht dann aber eine Versteigerung, denn der Bauer kommt aus den roten Zahlen nicht hinaus. Eine Art Stör-Versteigerer, der leutselig-wortgewandte Zampano Tellenbach und sein österreichischer Gehilfe Linus, brausen per Töff an. Die alte Bäuerin nimmt denn Kampf für ihre Tiere auf, die für sie viel mehr als nur einfach eine Ware sind. Und diese Tiere bodigen schliesslich den Gantrufer. Nützen tut ihnen das nichts, denn der vorher eher harmlose und unterdrückte Linus entpuppt sich als der Teufel persönlich.

Österreicher Witze und Hamlet
Der Samstagabend war idyllisch. Im Stall stand eine Eselin mit ihrem Fohlen, Schwalben flogen unters Dach. Die vielen Zuschauer kamen, geführt von den Musikern, vom feinen Essen im Stall und nahmen auf Strohballen und Holzbrettern Platz. Die fünf Bauernhoftiere, in Federchen-Masken und grünen Overalls, agierten als Chor und Ballett. Die eigentlichen Hauptpersonen, der junge Bauer und seine fremdländische Frau, waren leblose Puppen. Umso lebendiger waren die beiden Gantrufer: Ihre Aktionen gingen von Ötzi-Witzen zum DJ Ötzi und dann zu Hamlet, dem Prinzen von Dänemark, mit dem Zitat aller Zitate: "Sein oder nicht sein...". Offen blieb, ob diese Frage der Zukunft des Bauernstands galt. Dazwischen versteigerten sie ein Spielzeug-Inventar an Anhängern und Traktoren. Das alles wurde unterstützt von Glocken, Alphorn, Klarinette, Dudelsack, Bassgeige, Flöten: Barbara Jost und Puis Bessire gaben dem Stück die passende musikalische Kulisse, Volksmusik mit schrägen und schrillen Zwischentönen.

Der Walliser Schauspieler Beat Albrecht und sein österreichischer Berufskollege Bernd Seebacher setzten ihre Rollen gut in Szene, und Silvia Jost, in der Region als ehemalige Mitspielerin beim Landschaftstheater Ballenberg beliebt, spielte die engagierte Bäuerin. Sie sieht ihre Zukunft als Grosi, umgeben von Enkeln und Tieren auf dem "Bänkli vor äm Hüsli" in der produktions- und profitorientierten Welt dahinschwinden, und fällt darob in Ohnmacht oder in einen Weinkrampf. Das Ganze ist ein Schwank, ein buntes unterhaltendes Potpourri mit auch schon mal derben Spässen und mit Figuren, die plakativ agieren wie die Figuren der Commedia dell'Arte. Verfremdungseffekte sind ebenso eingebaut wie Sozialkritisches. Werner Wüthrich, der Autor des Stücks, hat Gespräche mit vielen Landwirten geführt, und diese in seinem Buch "Vom Land" umgesetzt. Sicher ist: Es war ein einmaliger, umgewohnter und bunter Theaterabend in einer spannenden Umgebung. Albert Ullmann, Initiant und Produktionsleiter von hof-theater.ch dankte der Familie Wyler dafür, dass sie ihren Hof für das Theater zur Verfügung gestellt haben.